"Houston!" Das war der Spitzname, den Magda mir verpasst hat. Und im täglichen „Kampf“ mit Druckdaten kam das doch recht häufig vor, dass Houston Probleme aus der Vorstufe gemeldet wurden. Aber gemeinsam haben wir immer alles niedergerungen. Das war auch einer der Wesenszüge Magdas: sie hat einen niemals zum isolierten Einzelkämpfer mutieren lassen, auch wenn man sich manchmal wünschte, man könnte einfach den Kopf einziehen und den Haufen wegarbeiten, der vor einem lag.
Aber Magda war nicht nur die Konstante in der Vorstufe und Archivierung, sondern auch ein wichtiger Kommunikator zwischen allen Abteilungen, unsere Verbindung zueinander. Und es hat uns allen immer wieder gut getan, dass uns jemand herausholt aus der Versenkung, in der man im Arbeitsstress leicht alles rundherum vergisst. Sie hielt den Kontakt zu "Bader-Badalinsky" an der Druckmaschine oder "Sabinchen" im Backoffice, aber auch zur Weiterverarbeitung, denn sie war auch ein wichtiger Faktor in der Qualitätssicherung und hat diese Dinge sehr ernst genommen.
Ungenauigkeiten waren ihr immer ein Greuel! Ich habe lange gebraucht, Magda zum Pfuschen zu überreden, um ihr Zeit zu sparen; denn sie dachte immer voraus und wollte die Dinge perfekt machen, um bei etwaigen Folgeproduktionen Schwierigkeiten vorwegzunehmen. Und oft hat sie die Dinge dann noch nachträglich in Ordnung gebracht – und sie hat damit eine solide Basis gelegt von der wir alle profitieren.
Magda war das ordnende Element inmitten des Produktionstroubels. All das fehlt uns schon seit ihrer Erkrankung, genauso wie ihre Lebensfreude, unerschütterliche Loyalität und ihre absolute Pünktlichkeit. Auf Magda war einfach immer Verlass. Sie war eine Perfektionistin und hat für Ihren Job ebenso 100 Prozent gegeben wie für ihre Familie und natürlich beim Schwammerlsuchen, sozusagen einem polnischen Volkssport, den Magda als gebürtige Polin leidenschaftlich betrieb.
Und bei allem war sie immer positiv und lebenslustig und irgendwie wirkte sie wie ein Fels in der Brandung – bei allen Kraftausdrücken, die das auch manchmal begleitet haben; auch das war Magda, die oft über Daten oder „Softwaren“ in 3 Sprachen fluchend vor ihrem Computer saß. Und trotzdem hatten wir den Eindruck, nichts könnte sie wirklich erschüttern.
Umso größer war der Schock der vernichtenden Krebsdiagnose, die folgenden Monate wenig erfolgversprechender Therapieversuche und zuletzt kaum ein halbes Jahr später, die Nachricht von Ihrem Tod.
Wir vermissen Magdas Energie und Lebensfreunde, ihre Kollegialität und Freundschaft, ihre Offenheit und Ehrlichkeit – und doch wird sie Teil dieses Teams bleiben, weil das, was sie geschaffen hat, uns nachhaltig prägt und weiter begleiten wird.
Wir hatten großes Glück, einen Menschen wie Magda in unserem Team zu haben und trauern mit ihrer Familie und den zahlreichen Freunden, denen sie genommen wurde.
Houston (Andrea)

